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Prosa
Landschaft der Seele
Ankunft Dublin Airport.
Diesmal sind wir mit einer der Billigfluglinien geflogen.
In der Ankunftshalle geht es zu wie auf einem Busbahnhof. Menschenschlangen
stauen sich vor den einzelnen An-gleich Abflugschaltern. Gerade gelandet
werden die Flugzeuge in Windeseile ent- und wieder beladen, aufgetankt und
schon sind sie wieder in der Luft.
Vor Jahren war es hier noch ganz anders.
Manchmal mussten wir nach der Landung noch über eine halbe Stunde warten,
ehe die Gangway heran geschoben wurde, denn davon gab es auf dem gesamten
Flugfeld nur einige wenige. Waren mehrere Maschinen kurz hintereinander
gelandet, musste man einfach geduldig warten bis man selbst mit dem
Aussteigen an der Reihe war.
„ Gott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt „.
Dieses alte irische Sprichwort bewahrheitete sich immer wieder in den vielen
Jahren, in denen ich die Insel bereiste.
Irische Musik aus dem Bordlautsprecher verkürzte die Wartezeit. Wir waren
besänftigt und satt durch das fabelhafte Menü an Bord: geräucherter echter
irischer Wildlachs, Rührei mit Speck, frische Scones und eventuell ein Glass
Paddy.
Diesmal gab an vom Bordshop nur eines von den angepriesenen Minisnacks mit
einem Glas Wasser.
Und nun quälen wir uns durch die wartenden Menschen und endlos langen Gänge
des provisorischen Ankunftsgebäudes für die Billigfluglinien, hetzen zum
Leihwagenschalter und weg. Nur weg aus dem Lärm und Gedränge, weg aus
Dublin, noch vor Einsetzen der rush-hour.
Der Verkehr nimmt mir den Atem. Rechts und links auf den mehrspurigen
Straßen brausen die neuesten Autotypen an mir vorbei. Wir versuchen
mitzuhalten, keine Fehler beim links fahren zu riskieren, um möglichst
schnell das Verkehrsgewühl der Millionenstadt hinter uns zu bringen.
Mit ein bisschen Wehmut denke ich an meinen Freund, der vor Jahren das erste
Mal mit seinem Second Hand Mini aus Connemara nach Dublin gefahren war.
Die Tür zum Beifahrersitz hatte er mit einem Bindfaden so befestigt, dass
sie durch den Fahrtwind nicht so ohne weitere aufgerissen werden konnte.
Als er, der in seinem Leben noch nie eine Verkehrsampel gesehen hatte, eine
solche natürlich glatt überfuhr, wurde er von einem Verkehrspolizisten
angehalten. Der erkannte am Akzent den Mann aus Connemara . Er hielt den
Verkehr auf der Kreuzung an und erkundigte sich erst einmal in aller Ruhe
nach eventuellen gemeinsamen Verwandten und Bekannten aus diesem Teil des
Landes.
Wir sind froh, nach einer dreiviertel Stunde den Stress hinter uns zu haben
und auf den neu gebauten Straßen Richtung Westen gut voran zu kommen.
Langsam wird mir das Land vertrauter, durch die gelben Osterglocken an den
Straßenrändern, den immer blühenden gelben Ginster auf den Wiesen, die rasch
wechselnden Farben der Landschaft durch schnell vorbei ziehende Wolken,
kurze Regenschauer, die plötzlich einen Regenbogen entstehen lassen.
Hinter Galway endlich das Moor, die Heide, die Berge der Twelve Bens, klare
Seen, Kühe und Schafe auf kargen Weiden.
Die liegen nur noch selten mitten auf den Straßen, denn jetzt sind die
Farmer verantwortlich, wenn eines ihrer Tiere überfahren wird. Die Weiden
müssen eingezäunt sein. Früher, als es kaum Zäune gab trug der Autofahrer
die Verantwortung
Spät am Abend kommen wir in Clifden an.
Die Pubs sind noch offen. Davor drängen sich die Raucher, jeder sein Glas
Guiness in der Hand, in der anderen die Zigarette oder das Handy am Ohr.
Drinnen ist Rauchverbot .Dort stieren die meisten nur auf den Fernsehschirm,
auf dem irgendwelche Sportsendungen laufen.
Gespräche miteinander, Interesse am Neuankömmling findet man kaum noch.
Wo sind die Geschichtenerzähler, die Musikanten?
Nur noch an den Wochenenden musizieren einige Ältere von ihnen auf Einladung
des Pubbesitzers vor einem Publikum, das meist aus Touristen
besteht.
Der“Keltische Tiger“ hat alle fest im Griff.
Am nächsten Tag – die Wanderung über das Watt nach Omey Island –lässt die
Seele wieder atmen.
Das Meer hat sich zurückgezogen. Die Wellen schlagen fast unhörbar gegen den
Sand. Die Luft ist klar. Hoch am Himmel jubilieren Lerchen.
Sonst Stille.
Der Gang zur heiligen Quelle, dann zur jahrhunderte alten, vom Dünensand
verschütteten, vom Wind wieder freigelegten Kirchenruine, zu den Gräbern der
Mönche, Pilger, Einsiedler aus einer längst vergangenen Zeit bringt mir ein
kleines Stück von der Insel der Heiligen, dem Land der Regenbogen, der
Landschaft der Seele wieder zurück.
Das stille Tal
In tiefer Stille liegt das Tal,
fast unberührt von des Menschen Hand.
Nur Steine zeugen von vergangnen Tagen
und einer Zeit, in der der Mensch hier Heimat fand.
Auf stummen Hügeln grasen Schafe,
ganz ungestört vom Lärm der Zeit
und hoch am Himmel singen Lerchen
von einem Paradies, das hier bestand seit Ewigkeit.
Doch in der Ferne
horch das Dröhnen
von Bussen, Fliegern, Menschgeschrei.
Einklang mit der Natur?
Vergiss das Träumen!
Die Unberührtheit ist nun vorbei.